François Matthey
Gründer ADHwaS · Verstehen statt Reparieren
Du hast einen Termin für eine ADHS-Abklärung – und jetzt sollst du deine ganze Lebensgeschichte sortieren. Allein dieser Gedanke kann überfordern. Die gute Nachricht: Du musst weder perfekte Unterlagen haben noch dich auf eine «richtige» Antwort vorbereiten. Diese Checkliste hilft dir, das Wichtige zusammenzutragen, damit du im Gespräch nicht alles gleichzeitig im Kopf behalten musst.
Eine ADHS-Abklärung ist keine Prüfung, die du bestehen musst. Die Fachperson versucht gemeinsam mit dir zu verstehen, wie sich deine Aufmerksamkeit, Impulsivität, Aktivität und Selbststeuerung über dein Leben und in verschiedenen Lebensbereichen gezeigt haben. Eine Diagnose darf deshalb nicht auf einem einzelnen Fragebogen oder Test beruhen.
Dein Ziel ist nicht, möglichst «typisch ADHS» zu wirken. Dein Ziel ist, dein Erleben so ehrlich und konkret wie möglich zu beschreiben.
Was deine Abklärungsstelle genau verlangt, kann sich unterscheiden. Die Einladung und die Hinweise deiner Fachstelle haben deshalb immer Vorrang vor dieser allgemeinen Checkliste.
Du musst nicht alles davon haben. Nimm mit, was verfügbar und für deine Fachstelle relevant ist:
Wichtig: Verändere oder pausiere Medikamente nicht eigenständig für die Abklärung. Falls für einen Test besondere Regeln gelten, muss dir die Fachstelle das ausdrücklich erklären.
ADHS beginnt nicht erst im Erwachsenenalter. Darum gehört die Entwicklungsgeschichte zu einer sorgfältigen Abklärung. Alte Zeugnisse können Hinweise liefern – zum Beispiel Bemerkungen wie «träumt häufig», «ruft dazwischen», «arbeitet unter ihren Möglichkeiten» oder «vergisst Material». Sie sind aber nur ein Teil des Gesamtbildes.
Das bedeutet nicht automatisch, dass keine Abklärung möglich ist. Sag der Fachstelle offen, welche Unterlagen fehlen, und frage, welche Alternativen sie akzeptiert. Erinnerungen an konkrete Situationen, vorhandene Berichte oder – mit deinem Einverständnis – Informationen einer Person, die dich früher oder heute gut kennt, können je nach Vorgehen ergänzen.
«Ich bin unorganisiert» ist verständlich, aber für die Abklärung noch sehr allgemein. Hilfreicher sind kurze Situationen mit Folgen. Du kannst dich an dieser einfachen Struktur orientieren:
Notiere pro Beispiel nur vier Punkte:
Beispiel: «Bei längeren Sitzungen schweife ich nach wenigen Minuten ab. Danach fehlen mir Abmachungen, und ich arbeite abends nach. Ähnliche Rückmeldungen bekam ich schon in der Schule.» Fünf bis sieben solche Beispiele reichen als Gedächtnisstütze völlig aus.
Ja, eine kurze Liste kann dir helfen, unter Stress nichts Wichtiges zu vergessen. Sie sollte dich unterstützen, nicht einengen. Markiere deine drei wichtigsten Punkte und sag zu Beginn offen, dass du dir Notizen gemacht hast. Wenn du unsicher bist, frag die Fachstelle vorher kurz nach ihrem Vorgehen.
Eine umfassende Diagnostik berücksichtigt Beobachtungen aus mehreren Lebensbereichen. Deshalb kann die Fachstelle um Fragebögen oder Informationen einer nahestehenden Person bitten. Geeignet kann jemand sein, der dich im Alltag gut kennt oder Erinnerungen an deine Kindheit hat. Du entscheidest gemeinsam mit der Fachstelle, wer einbezogen wird, und deine Einwilligung ist zentral.
Mach den Termin für dein Gehirn möglichst leicht:
Auch Unsicherheit gehört in den Raum. Du darfst sagen: «Ich habe Angst, dass ich mich irre» oder «Ich weiss nicht, ob meine Erinnerungen reichen.» Eine sorgfältige Fachperson muss nicht von dir überzeugt werden, sondern das Gesamtbild fachlich einordnen.
Die Anamnese ist ein wichtiger Teil der Abklärung. Mit dem kostenlosen ADHwaS-Anamnese-Fragebogen kannst du deine Lebensgeschichte in Ruhe vorbereiten und anschliessend als Dokument sichern oder ausdrucken. Deine Antworten werden ausschliesslich in deinem Browser verarbeitet und nicht an ADHwaS übermittelt.
Der Fragebogen ersetzt weder die Anamnese der Fachstelle noch eine Diagnose. Er kann aber verhindern, dass wichtige Stationen erst unter Zeitdruck im Gespräch auftauchen. Kläre vor dem Versand sensibler Daten immer, welchen sicheren Übermittlungsweg deine Abklärungsstelle vorgibt.
Coaching kann dir helfen, Beobachtungen zu sortieren, Fragen zu formulieren und den Alltag während einer Wartezeit zu entlasten. Es darf aber keine Diagnose stellen, keine gewünschte Diagnose «vorbereiten» und keine medizinische Behandlung ersetzen. Im ADHwaS-Fachnetzwerk findest du Unterstützung mit transparenten Profilen.
Sie können hilfreich sein, sind aber nicht bei jeder Fachstelle zwingend. Frag deine Abklärungsstelle, welche Unterlagen sie verlangt und welche Alternativen möglich sind, wenn Zeugnisse fehlen.
Nein. Übe nicht für Aufmerksamkeitstests und versuche nicht, ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Folge nur den konkreten Hinweisen deiner Fachstelle, etwa zu Schlaf, Medikamenten oder Technik bei einem Onlinetermin.
Nimm eine kurze Liste mit deinen wichtigsten Beispielen und Fragen mit. Du darfst um eine Wiederholung, eine Pause oder mehr Zeit zum Antworten bitten.
Je nach diagnostischem Vorgehen kann eine Fremdbeurteilung ergänzen. Besprich mit der Fachstelle, wer geeignet ist und wie die Person mit deinem Einverständnis einbezogen wird.
Eine gute Abklärung soll nicht nur ADHS bestätigen oder ausschliessen, sondern deine Beschwerden fachlich einordnen und mögliche andere oder zusätzliche Erklärungen berücksichtigen. Frag beim Abschlussgespräch nach den nächsten sinnvollen Schritten.
Weiterführende Angebote von ADHwaS
Redaktion: François Matthey & ADHwaS · Veröffentlicht am 16. August 2026. Die verlangten Unterlagen und der genaue Ablauf unterscheiden sich je nach Abklärungsstelle.
Bereite deine Anamnese in Ruhe vor. Der kostenlose Fragebogen verarbeitet deine Antworten nur in deinem Browser und hilft dir, wichtige Stationen strukturiert mitzunehmen.
Anamnese jetzt vorbereitenFrançois Matthey ist Gründer von ADHwaS, selbst mit ADHS diagnostiziert und seit über 30 Jahren im Bildungsbereich tätig. Er macht komplexe Zusammenhänge verständlich und verbindet Menschen mit passender Unterstützung.