François Matthey
Gründer ADHwaS · Verstehen statt Reparieren
Du ahnst es seit einer Weile. Vielleicht hat ein Artikel, ein Video oder ein Gespräch etwas in dir ausgelöst: «Das bin ja ich.» Und jetzt stehst du vor einer Wand aus Fragen. Wo fange ich an? Wer stellt überhaupt eine Diagnose? Was kostet das? Zahlt die Krankenkasse? Und wie lange muss ich warten? Dieser Artikel nimmt dir diese Wand auseinander – Schritt für Schritt, ehrlich und ohne Fachchinesisch.
Eine ADHS-Abklärung ist kein einzelner Test. Eine qualifizierte Gesundheitsfachperson beurteilt deine aktuelle Situation, deine Entwicklung seit der Kindheit, verschiedene Lebensbereiche und mögliche andere Erklärungen. Fragebögen und Aufmerksamkeitstests können dabei helfen, dürfen die Diagnose aber nicht allein bestimmen.
Das Wichtigste in 30 Sekunden:
Diese Einordnung folgt den fachlichen Diagnosegrundsätzen der NICE-Leitlinie zu ADHS sowie den offiziellen Informationen des Bundesamts für Gesundheit zu geplanten Behandlungen im Ausland.
Eine ehrliche Antwort vorweg: Es kommt darauf an, was du brauchst.
Eine formale Diagnose ist wichtig, wenn du Medikamente in Betracht ziehst, wenn es um Nachteilsausgleich in Ausbildung oder Beruf geht, oder wenn du für dich selbst Klarheit und Anerkennung brauchst – schwarz auf weiss.
Für Verständnis und für konkrete Veränderung im Alltag brauchst du dagegen nicht zwingend zuerst ein Papier. Viele Menschen beginnen mit Coaching oder einem Kurs, während die Abklärung noch läuft – dazu später mehr. Beides schliesst sich nicht aus. Aber zu wissen, wofür du die Diagnose willst, macht den ganzen Weg klarer.
Ein sinnvoller erster Weg kann über deine Hausärztin oder deinen Hausarzt führen. Dort kannst du deine Beobachtungen besprechen und klären, welche qualifizierte Fachstelle für dich passt. Ob eine Zuweisung oder ärztliche Anordnung nötig ist und welche Leistungen vergütet werden, hängt vom konkreten Angebot und deinem Versicherungsmodell ab.
Wenn dir das Gespräch mit der Hausärztin schwerfällt: Du darfst dir vorher aufschreiben, was du beobachtest. Konkrete Beispiele aus deinem Alltag helfen mehr als das Wort «ADHS». Unser Vorbereitungsleitfaden mit Checkliste zeigt dir Schritt für Schritt, was du sammeln und notieren kannst.
Eine gesicherte ADHS-Diagnose gehört in die Hände einer dafür qualifizierten Gesundheitsfachperson mit Ausbildung und Erfahrung in der ADHS-Diagnostik. Entscheidend sind nicht nur Berufsbezeichnung und Testinstrumente, sondern eine umfassende klinische und psychosoziale Beurteilung sowie die sorgfältige Abklärung anderer möglicher Erklärungen.
Wichtig zur Einordnung: Ein Online-Selbsttest kann Orientierung geben – eine Diagnose ersetzt er nicht. Hier geht's zum ADHS-Selbsttest (2 Minuten, kostenlos, anonym). Wenn du mehr über ADHS bei Erwachsenen verstehen möchtest, findest du dort einen vertieften Überblick.
Eine ADHS-Abklärung ist kein einzelner Test, sondern ein strukturierter Prozess über mehrere Termine. Typischerweise umfasst er:
In vielen Fällen kommen über mehrere Termine einige Stunden in der Praxis plus Bearbeitungszeit für Fragebögen zu Hause zusammen. Die Fachstelle ordnet am Ende ein, ob die Kriterien für ADHS erfüllt sind – und schliesst andere Ursachen aus.
Die Kosten unterscheiden sich je nach Fachstelle, Umfang und Abrechnungsmodell deutlich. Es gibt keinen verlässlichen Einheitspreis für die ganze Schweiz. Lass dir deshalb vor dem Start schriftlich erklären, welche Leistungen enthalten sind und mit welchen Gesamtkosten du rechnen musst.
Ob die obligatorische Krankenpflegeversicherung Kosten übernimmt, muss im Einzelfall geklärt werden. Relevant sind unter anderem die Zulassung der Fachperson, die konkrete Leistung, eine mögliche ärztliche Anordnung sowie Franchise und Selbstbehalt. Das BAG bestätigt zwar, dass psychologische Psychotherapie auf ärztliche Anordnung zulasten der OKP möglich ist. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jede vollständige diagnostische Abklärung in jedem Angebot finanziert wird.
Bitte kläre die Kostenübernahme vorab sowohl mit der Fachstelle als auch mit deiner Krankenkasse. Frage ausdrücklich nach der ADHS-Abklärung – nicht nur allgemein nach Psychotherapie. So vermeidest du Missverständnisse und unerwartete Rechnungen.
Du kannst eine Abklärung bei einer deutschen Privatpraxis als Selbstzahlerin oder Selbstzahler anfragen. Wichtig ist die Trennung zwischen Zugang und Kostenübernahme: Dass eine Praxis dich abklären kann, bedeutet nicht automatisch, dass deine Schweizer Versicherung bezahlt.
Das BAG nennt für geplante Behandlungen im Ausland nur bestimmte Ausnahmefälle, etwa wenn eine Behandlung in der Schweiz nicht verfügbar ist oder die Wartezeit medizinisch zu lang ist. Dafür braucht es einen begründeten Antrag und einen Entscheid des Versicherers. Kläre deshalb vor der Buchung schriftlich, ob Grund- oder Zusatzversicherung etwas übernimmt. Ohne bestätigte Kostengutsprache solltest du mit Selbstzahlung rechnen.
Der unangenehmste Teil zuerst: Die Wartezeiten auf einen Abklärungstermin können in der Schweiz lang sein – oft mehrere Monate. Das ist frustrierend, gerade wenn du nach Jahren endlich einen Namen für dein Erleben suchst.
Aber diese Wartezeit muss keine Pause sein, in der nichts passiert. Im Gegenteil – sie ist oft der beste Moment, um schon etwas zu verändern:
Das Erstgespräch bei den Coaches im ADHwaS-Netzwerk ist kostenlos. Du kannst also unverbindlich herausfinden, ob dir diese Begleitung in der Wartezeit guttut.
Eine Diagnose ist kein Endpunkt, sondern ein Anfang. Sie erklärt rückblickend vieles – und sie eröffnet nach vorne Möglichkeiten: Medikation (falls für dich sinnvoll), Coaching, Kurse, Nachteilsausgleich, und vor allem ein anderer Blick auf dich selbst.
Viele beschreiben den Moment der Diagnose als zwiespältig: Erleichterung («endlich weiss ich, warum») und Trauer («wie viele Jahre habe ich gegen mich gekämpft»). Beides darf sein. Und beides ist der Boden, auf dem etwas Neues wachsen kann. Wenn dich auch interessiert, wie sich das bei ADHS bei Frauen und Spätdiagnosen äussert, findest du dort einen vertieften Artikel.
Der Weg zur ADHS-Diagnose wird überschaubarer, wenn du ihn in einzelne Schritte teilst: Beobachtungen sammeln, qualifizierte Fachstelle wählen, Ablauf und Finanzierung klären und die Abklärung sorgfältig vorbereiten. Wartezeiten können belastend sein – du darfst dir schon vorher Unterstützung für konkrete Alltagsthemen holen.
Du musst das nicht alleine verstehen.
Das hängt stark von Fachstelle, Umfang und Abrechnungsmodell ab. Verlange vorab eine transparente Kostenauskunft und kläre mit der Fachstelle und deiner Krankenkasse, welche Leistungen in deinem konkreten Fall übernommen werden.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind Fachstelle, Zulassung, konkrete Leistung, Versicherungsmodell und eine mögliche ärztliche Anordnung. Frage die Fachstelle nach dem Abrechnungsweg und lass dir die Kostenübernahme von deiner Krankenkasse vor Beginn schriftlich bestätigen.
Die Diagnose gehört zu einer qualifizierten Gesundheitsfachperson mit Ausbildung und Erfahrung in der ADHS-Diagnostik. Frage die Fachstelle konkret nach Qualifikation, diagnostischem Vorgehen und dem Umgang mit Differenzialdiagnosen.
Eine deutsche Privatpraxis kann eine Abklärung für Selbstzahlende anbieten. Eine Kostenübernahme durch die Schweizer Grundversicherung ist bei einer geplanten Behandlung im Ausland jedoch nicht automatisch gegeben. Kläre Grund- und Zusatzversicherung vorab schriftlich; ohne bestätigte Kostengutsprache solltest du mit Selbstzahlung rechnen.
Die Wartezeiten können mehrere Monate betragen. Diese Zeit lässt sich mit Coaching, Kursen oder Austausch sinnvoll überbrücken.
Nein. Coaching ist auch bei Verdacht oder in der Wartezeit möglich und kann sofort entlasten. Das Erstgespräch im ADHwaS-Netzwerk ist kostenlos.
Er gibt dir Orientierung, ob sich der weitere Weg lohnt – ersetzt aber keine fachliche Diagnose.
Weiterführende Angebote von ADHwaS
Redaktion: François Matthey & ADHwaS · Aktualisiert am 16. August 2026. Versicherungs- und Kostenangaben sind vom konkreten Angebot und Versicherungsmodell abhängig und müssen individuell geprüft werden.
Das Erstgespräch bei einem Coach im ADHwaS-Netzwerk ist kostenlos. Lass dich begleiten – auch während der Wartezeit auf die Abklärung. Viele Menschen sagen, das Coaching war wichtiger als das Papier.
Jetzt Fachperson findenFrançois Matthey ist Gründer von ADHwaS, selbst mit ADHS diagnostiziert und seit über 30 Jahren im Bildungsbereich tätig. Er macht komplexe Zusammenhänge verständlich und verbindet Menschen mit passender Unterstützung.