François Matthey
Gründer ADHwaS · Verstehen statt Reparieren
Ihr mögt euch – und trotzdem drehen sich Gespräche immer wieder im Kreis. Eine vergessene Aufgabe wirkt wie fehlendes Interesse. Eine kurze Bemerkung trifft viel härter als beabsichtigt. ADHS kann Beziehungen anstrengender machen, aber es erklärt nicht alles und macht niemanden zum Problem. Entscheidend ist, die wiederkehrenden Muster gemeinsam sichtbar zu machen.
ADHS zeigt sich nicht nur bei der Konzentration. Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Schwierigkeiten mit Planung und Zeitgefühl oder intensive Gefühle können auch das Zusammenleben beeinflussen. Studien beschreiben bei Erwachsenen mit ADHS häufiger Belastungen in romantischen Beziehungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Beziehung mit ADHS problematisch ist – und Beziehungsprobleme sind umgekehrt kein Beweis für ADHS.
Oft entsteht ein Übersetzungsproblem: Die eine Person meint eine konkrete Situation, die andere hört darin ein Urteil über ihren Charakter oder ihre Liebe. Wenn beide nur noch auf die Wirkung reagieren, geht die ursprüngliche Absicht verloren.
«Du hast es wieder vergessen» kann als Information gemeint sein – und trotzdem wie «Auf dich ist kein Verlass» ankommen. Beide Erlebnisse sind real. Hilfreich wird es, wenn ihr über die Wirkung sprechen könnt, ohne der anderen Person eine Absicht zu unterstellen.
Nicht alle Menschen mit ADHS kennen diese Situationen. Häufig berichtet werden aber:
Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation kommen bei Erwachsenen mit ADHS häufig vor und können den Alltag zusätzlich belasten. Sie gehören aber nicht bei allen Menschen gleich stark dazu. In einem angespannten Moment kann es schwerer werden, Gefühle zu sortieren, einen Impuls zu bremsen oder die Perspektive zu wechseln.
Für intensive Reaktionen auf Kritik oder wahrgenommene Ablehnung wird online oft der Begriff Rejection Sensitive Dysphoria (RSD) verwendet. Viele Menschen erkennen sich darin wieder. RSD ist jedoch keine eigenständige Diagnose und kein offizielles ADHS-Diagnosekriterium. Fachlich sauberer ist es, von Ablehnungssensibilität und möglicher emotionaler Dysregulation zu sprechen. Der Begriff kann ein Erleben beschreiben – er erklärt aber nicht automatisch jeden Konflikt.
Wenn dich dieses Thema besonders beschäftigt, findest du im Ratgeber RSD und Ablehnungssensibilität verstehen eine ausführlichere Einordnung.
Die beste Vereinbarung ist nicht die theoretisch perfekte, sondern diejenige, die ihr beide tatsächlich nutzen könnt:
Pauschale Sätze lösen meist Verteidigung aus. Konkrete Sprache macht Zusammenarbeit wahrscheinlicher:
Verständnis bedeutet dabei nicht, dass eine Person alles hinnehmen muss. ADHS kann Verhalten erklären, aber es hebt Verantwortung, Grenzen und gegenseitigen Respekt nicht auf.
Coaching kann helfen, ADHS-bezogene Alltagsmuster zu verstehen, Aufgaben und Kommunikation zu strukturieren und konkrete Veränderungen auszuprobieren. Es ersetzt keine Diagnostik, Psychotherapie oder Paartherapie. Wenn Konflikte festgefahren sind, psychische Erkrankungen, Sucht, Trauma oder starke Belastung eine Rolle spielen, ist eine entsprechend qualifizierte Fachperson die passendere Anlaufstelle.
Bei Gewalt, Drohungen oder akuter Gefahr steht nicht die gemeinsame Kommunikation im Vordergrund, sondern Sicherheit. Wende dich dann an eine lokale Opferhilfe, einen Krisendienst oder im Notfall an die Polizei.
Ja. ADHS entscheidet nicht über die Qualität einer Beziehung. Hilfreich sind gegenseitiges Verständnis, konkrete Absprachen und Systeme, die zu beiden Personen passen.
Überforderung, Impulsivität, intensive Gefühle oder frühere Erfahrungen mit Kritik können eine Rolle spielen. Das ist individuell und sollte nicht automatisch mit ADHS oder RSD erklärt werden.
Nein. Rejection Sensitive Dysphoria ist keine eigenständige Diagnose und kein offizielles ADHS-Diagnosekriterium. Der Begriff beschreibt ein Erleben, mit dem sich manche Menschen identifizieren.
Coaching kann bei ADHS-bezogenen Alltagsmustern, Kommunikation und Organisation unterstützen. Bei tiefen Beziehungskonflikten oder psychischen Erkrankungen sind Paartherapie oder Psychotherapie geeigneter.
Weiterführende Angebote von ADHwaS
Redaktion: François Matthey & ADHwaS · Aktualisiert am 15. August 2026. Der Artikel bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Diagnose, Psychotherapie oder Paartherapie.
Im ADHwaS-Fachnetzwerk findest du unterschiedliche Fachpersonen. Vergleiche in Ruhe Profile, Schwerpunkte und Formen der Begleitung – und entscheide selbst, wer zu deiner Situation passt.
Passende Fachperson findenFrançois Matthey ist Gründer von ADHwaS, Bildungsfachperson und selbst mit ADHS diagnostiziert. Er verbindet persönliche Erfahrung mit seiner Arbeit als Coach – mit dem Grundsatz: Verstehen statt Reparieren.